Gott im Alltag

Eine Woche voller Weltschmerz

Mitgefühl

Die letzte Woche hat mich verändert.
Von den Umständen her war an der letzten Woche nichts Außergewöhnliches. Es ist nichts Besonderes und auch nichts Schlimmes passiert. Aber von Tag zu Tag entstand in mir ein Herzschmerz, ein Weltschmerz, wie ich ihn bisher nicht kannte.
In der letzten Woche gab es ganz normale kleine Momente, die mir einen großen Schmerz offenbart haben. Einen Schmerz, den ich spüren konnte, der aber nicht aus mir selbst kam. Erst nach ein paar Tagen wurde mir bewusst, dass es ein Schmerz ist, der in Gottes Herzen ist und den er mir offenbaren wollte.

Es ging um Vieles, in dem Weltschmerz.

Es ging um Einsamkeit.
Wie viele Menschen sind eigentlich einsam? Ich meine nicht alleine. Man kann allein sein und doch nicht einsam sein. Und man kann in steter Gemeinschaft sein und doch einsam. Ohne Herzensverbindungen. Ohne das Gefühl von Zugehörigkeit und Zuhause.

Es ging um Homosexuelle.
So viele homosexuelle Teenager begehen Selbstmord, weil sie keinen Ort haben, an dem sie sich als Mensch angenommen fühlen. Ist die Kirche ein Ort, zu dem homosexuelle Menschen hingehen, weil sie sich dort als Mensch, nicht als sexuelles Wesen, als ganzheitlicher Mensch, angenommen wissen? Ein Zuhause.

Es ging um Kinder.
Was sie unter uns Erwachsenen ertragen müssen und wie gnädig sie uns weiterlieben. Wie unzählig oft sie am Tag von uns zurechtgebogen werden. Wie oft wir ihnen vermitteln, dass sie stören und dass sie sich an uns anpassen sollen. Dabei ist in ihrer Gegenwart alles was wir uns doch oft wünschen. Freiheit, Freude, Geborgenheit, Ehrlichkeit, Gnade, Hoffnung. Empathie. Wir sind ihr Zuhause.

Es ging um Maria.
Eine schwangere Frau, die einfach nur in Ruhe Zuhause ihr Kind gebären wollte, die aber stattdessen Tag und Nacht zu Fuß und auf einem Tier verreisen musste. So wie es gerade so vielen Menschen geht, die ihr Land verlassen müssen und sich auf den Weg in ein neues, unbekanntes Land machen. In dem sie von vielen als potenzielle Gefahr gesehen werden. In dem sie plötzlich unqualifiziert sind und ganz neu anfangen müssen. Obwohl sie einfach nur in ihrem Zuhause bleiben wollten.

Es ging um Gottes Kinder.
Jeden einzelnen Menschen, den er sich ausgedacht hat. Wie sehr er sich wünscht mit jedem Einzelnen von Herzen verbunden zu sein. Nicht durch Leistung. Nicht durch Dienst. Nicht aus Pflichtgefühl. Sondern weil er zuerst geliebt hat. Weil er Zuhause ist.

Gott hat mir einen kleinen Moment lang seinen Herzschmerz gezeigt. Ich habe ihn gefragt, wie er es aushält, diesen Schmerz dauerhaft zu spüren.
Er hat mir geantwortet. Indem er mir gezeigt hat, was dieser Schmerz ins Leben ruft.

„Denn der Herr hatte Mitleid mit seinem Volk, das schwer unter seinen Bedrängern und Unterdrückern stöhnte.“

Bibel

Weshalb mich diese Woche des Weltschmerzes verändert hat, ist weil ich ein neues Mitgefühl kennengelernt habe. Dieses Mitgefühl lässt mich handeln, unabhängig davon, wie ich vor anderen Menschen dastehen könnte. Es ist stärker als meine Menschenfurcht, stärker als meine Antriebslosigkeit, stärker als meine Bequemlichkeit.

Erst wollte ich das dieser Weltschmerz geht. Dann war ich froh ihn ein paar Tage wahrgenommen zu haben, um bewusster zu leben. Jetzt will ich, dass ein kleiner Teil dieses Schmerzes für immer in meinem Herzen bleibt. Er treibt mich an für all das zu kämpfen und meine Beliebtheit, mein gut Dastehen aufzugeben. Solange ich diesen Schmerz spüre, habe ich Mitgefühl.

Inzwischen habe ich mich wieder gefangen. Im Gegensatz zur letzten Woche, in der ich jedes Mal wenn eines der Themen angesprochen wurde direkt mit den Tränen kämpfen musste.
Aber die Folgen dieser besonderen Woche trage ich immer noch in mir.

Mitgefühl ist das Einzige, dass mich langfristig antreiben wird, mich von ganzem Herzen für Menschen einzusetzen.
Dafür, dass Menschen Zuhause sein dürfen.

„Darauf sagte Jesus: »Kommt, wir ziehen uns an einen einsamen Ort zurück, wo ihr euch ausruhen könnt.« Denn ständig waren so viele Menschen um sie, dass Jesus und seine Apostel nicht einmal Zeit fanden zu essen. So fuhren sie mit dem Boot an einen ruhigeren Ort. Aber die Leute bemerkten ihre Abfahrt. Da liefen sie aus den umliegenden Städten am Ufer entlang voraus und waren bereits da, als sie anlegten. Als Jesus aus dem Boot stieg, erwartete ihn eine riesige Menschenmenge. Er hatte Mitleid mit ihnen, denn sie waren wie Schafe ohne Hirten. Deshalb nahm er sich Zeit.“

Evangelium nach Markus

    1 Kommentar

  • Lenna 19. Dezember 2018 Antworten

    Oh ich weiß was du meinst. Ich hatte diese Zeit im Sommer und es ist wirklich wie du sagst ich bin echt dankbar, dass Gott mit und dir sein Herz offenbart, weil ich Menschen anders wahrnehmen und annehmen kann und ja auch das spontane unkontrollierte Weinen hab ich erlebt. Aber was soll’s, weinen entgiftet das Herz.😘

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