Das Leben

Ich bin harmoniebedürftig

Wenn meine Mutter mich früher in mein Zimmer geschickt hat um es aufzuräumen, durfte sie nicht nach einer halben Stunde hereinkommen, um nachzusehen ob ich aufräume. Denn wenn ich aufräumen sollte, dann hieß das am Anfang: mehr Chaos. Ich räumte die Schubladen aus, sortierte das aus, was ich nicht mehr brauchte und räumte alles so um, dass es mehr Sinn macht. Während des Aufräumens herrschte dann erstmal mehr Unordnung als vorher. Aber am Ende, sah es nicht nur auf den ersten Blick ordentlich aus, es war auch in den letzten Ecken der Schränke sauber und sortiert.

Während meines theologischen Studiums ging es in einem Kurs um verschiedene Persönlichkeiten und Charaktertypen. Die Dozentin beschrieb die Kategorie der Harmoniebedürftigen:
„Fühlen sich am wohlsten wenn es keine Konflikte gibt und tun alles um Konflikte zu vermeiden. Möchten, dass sich alle gut verstehen und lieb haben. Wie der Name schon sagt: Diesen Menschen ist die Harmonie in Beziehungen sehr wichtig.“

Ich verstand zwar was sie meinte, aber etwas störte mich daran.
Ich bin nämlich auch Harmoniebedürftig. Ich finde mich aber nicht in dieser Beschreibung wieder. Ich möchte, dass Frieden in Beziehungen herrscht und alle glücklich sind. Das erreicht man nach meinem Empfinden aber nicht dadurch, dass man jeden Konflikt vermeidet und so tut, als gäbe es keine Probleme.
Genau im Gegenteil: Damit echter Frieden herrscht, muss man das ansprechen, was einen stört.

Wenn man alles nur unter den Teppich kehrt, sieht man zwar den Dreck nicht mehr, der Boden wird dadurch aber nicht sauberer.

Auch wenn mein Zimmer früher beim Aufräumen erstmal noch unordentlicher aussah, war die Ordnung danach viel leichter zu halten. Wenn dann mal etwas unordentlich wurde, war das Chaos schnell wieder beseitigt, weil alles seinen Platz hatte.
So ist es auch in Beziehungen. Wenn ich ungeheilte Beziehungen (vielleicht auch zu mir selbst) habe, kann eine kleine Unstimmigkeit ein riesiges emotionales Chaos verursachen. Wenn ich aber jede Unvergebenheit beseitigt habe, kann ein Konflikt viel besser einsortiert und geklärt werden.

Was bei zu klärenden Konflikten übrigens einen entscheidenden Unterschied macht, ist die Liebe. Wenn ich mich von demjenigen, der mich mit einem Problem konfrontiert geliebt und angenommen fühle, bin ich auch viel eher bereit, seine Kritik anzunehmen. Wenn derjenige, mit dem ich etwas klären will spüren kann, dass er mir wichtig ist, wird er sich eher für meine Wahrnehmungen und Gedanken öffnen.

Also lasst uns in unseren Beziehungen aufräumen: entstauben, klären, sortieren, Emotionen einen Platz geben, sich selbst und andere annehmen, Frieden herstellen und in Harmonie leben!

    3 Kommentare

  • muriel 24. Juni 2017 Antworten

    Amen!

  • Sarah 24. Juni 2017 Antworten

    Da finde auch ich mich wieder! Schön zusammengefasst =)

  • […] du sagst, dass Gott nichts unmöglich ist, du aber keinen Glauben für körperliche, seelische oder zwischenmenschliche Wiederherstellung hast, ist das nicht glaubwürdig. Wenn du sagst, dass Gott dich versorgt, du aber […]

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