Gott im Alltag

Susanne´s Haare

Unsere Gemeinde Connected trifft sich mitten in der Dortmunder Nordstadt. Das liegt nicht daran, dass die Mieten hier günstiger sind, sondern daran, dass der Gemeinde von Gründung an die Menschen in diesem Stadtteil besonders am Herzen lagen.
Vor einiger Zeit kam eine unserer Nachbarinnen, ich nenne sie mal Susanne, auf mich zu als wir bei Connected waren und sagte: „Ich habe gehört, dass du Haare schneiden kannst. Stimmt das? Ich bräuchte nämlich unbedingt einen Haarschnitt.“ Ich muss zugeben, dass ich gerne verneint hätte, da Susanne zu der Zeit vor allem für ihren Körpergeruch, der von ungewaschener Kleidung, Schweiß und Zigarettengeruch bestimmt war, bekannt war, doch gleichzeitig wollte ich ihr gerne den Gefallen tun, da ich auch wusste, dass sie jeden Monat Schwierigkeiten hatte mit ihrem Geld auszukommen.
Wir machten also einen Termin aus, an dem sie zu mir kommen sollte, damit ich ihr die Haare schneide. Sie kam und wir gingen direkt ins Bad. Da es für mich nicht in Frage kam ihre Haare in dem Zustand, in dem sie waren zu berühren, überredete ich sie, sich bei uns die Haare über der Badewanne zu waschen. Es kostete sie viel Überwindung, was den Zustand ihrer Haare erklärte, aber sie tat es. Ich hielt den Duschkopf, machte ihre Haare nass, sie schäumte sich die Haare mit Shampoo ein und ich spülte den Schaum wieder ab. Als sie kopfüber über unserer Badewanne stand, sah ich, dass ihr Nacken im unteren Bereich, oberhalb der Schultern viel dunkler war. Das Wasser, das mit dem ausgespülten Shampoo zusammen ihren Haaren entlang in die Wanne floß, war bräunlich gefärbt. Als ich den oberen Teil ihres Nackens am Haaransatz sah, verstand ich, dass das Dunkle an ihrem Nacken und Schultern Dreck war, weil sie sich schon so lange nicht gewaschen hatte. Ich schaffte es irgendwie, ihr die Haare zu schneiden, ohne ihren Nacken berühren zu müssen. Ich war erleichtert, als ich fertig war.
Ein paar Wochen später kam sie auf der Straße auf mich zu und sagte: „Du musst mir unbedingt wieder die Haare schneiden. Die sind schon so sehr gewachsen!“. In mir sträubte sich alles das noch einmal zu tun. Mein Kopf versuchte unter Höchstleistung alle Ausreden hervorzukramen, die in Frage kämen, um sich vor dieser Aufgabe zu drücken. Ich schaffte es dann doch irgendwie, sie von dem Gedanken abzubringen aber war mir sicher, dass sie mich bei der nächsten Gelegenheit wieder danach fragen würde.
Ein paar Tage später setzte ich mich Zuhause mit meiner Gitarre hin und spielte ein paar Lieder. Mir kam das Lied „Humble King“ von Brenton Brown in den Sinn und ich spielte es. In dem Lied geht es um das demütige Herz von Jesus, dem es vor allem darum ging anderen zu dienen und sie wertzuschätzen. Als ich den Refrain sang, konnte ich meinen Blick nicht von einer bestimmten Textzeile lassen. Darin heißt es: „You wash the feet of the weary“. Dieser Satz, „du wäschst die Füße derer, die erschöpft sind“, ließ mich nicht los. Und plötzlich sah ich vor meinem geistigen Auge, dass Jesus Susanne die Füße waschen würde. Er würde ihr ihre alten Schuhe aufmachen, sie ausziehen, ihre Socken berühren um sie auszuziehen und dann mit Seife ihre Füße waschen. Als mir das bewusst wurde war für mich klar: Wenn Jesus sie als wertvoll und würdig erachtet ihr die Füße zu waschen, dann ist sie es mir wert ihr die Haare zu schneiden. Wenn er ihre Füße berührt, dann kann ich ihre Haare berühren. Am nächsten Tag traf ich sie auf der Straße und ich fragte sie, wann sie zu mir kommen möchte, damit ich ihr die Haare schneide.

Bring mich wieder auf meine Knie,
hier zu deinen Füßen
Zeig mir wie sehr du Demut liebst
Geist Gottes sei der Stern, der mich
zu dem demütigen Herzen führt, dass ich in dir sehe.

Du bist der Gott der Zerbrochenen
Der Freund der Schwachen
Du wäschst die Füße derer, die erschöpft sind
Umarmst die, die in Not sind
Ich möchte so sein wie du, Jesus
Dieses Herz in mir zu haben
Du bist der Gott der Demütigen
Du bist der demütige König

Brenton Brown

Ich schreibe das alles hier nicht um zu zeigen wie großartig und selbstlos ich bin. Wenn Susanne mich heute fragen würde, ob ich ihr die Haare schneide, müsste ich wieder sehr mit mir kämpfen, um es wirklich zu tun. Aber ich will mich daran erinnern, wie Gott sie sieht, damit auch ich sie jeden Tag mit diesen Augen der Wertschätzung sehen kann. Und wenn dich dieser Artikel oder das Lied ermutigt, die Leute, mit denen es dir schwerfällt zu reden, mit Gottes Augen zu sehen und ihnen neu zu begegnen, dann haben wir zusammen ein Stück vom Himmel auf die Erde geholt.

    4 Kommentare

  • Larah 10. März 2017 Antworten

    Wow, Caro!!! Dein Erlebnis mit Susanne- und wie du drin Herz von Gott verändern lässt, hat mich sehr berührt!!!
    Bei dem Teil, wo du über die liedstelle schreibst und das Bild, wie Jesus ihr die Füße wäscht, hab ich eine Gänsehaut bekommen ☺️. Wirklich toll, deine blogeinträge!!! Liebe grüsse

  • Miri 10. März 2017 Antworten

    Mir kommen die Tränen – vor Glück! So ist Jesus!
    Danke Caro 🙂

  • Sarah 10. März 2017 Antworten

    wunderschön, Caro! Gott liebt dein Herz! Danke fürs teilen. <3

    • Daphné 10. März 2017 Antworten

      Danke Sarah! <3

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