Elternschaft

„Was würde Ihnen denn jetzt gut tun?“

Spaß

„Fragen Sie sich auch mal: Was brauche ich jetzt? Tun Sie mehr Dinge, die Ihnen gut tun“ sagt die Beraterin zu mir, als ich wegen Erschöpfungserscheinungen in ihrem Büro sitze.

Das klingt toll, mich mal zu fragen, was ich jetzt brauche. Spätestens bei der Antwort werde ich aber wahrscheinlich nur noch frustrierter sein als vorher, weil ich meinem Bedürfnis den ganzen Tag lang so wie so nicht nachkommen kann. Es würde mir jetzt gut tun, mich in eine Hängematte zu legen, Musik an zu machen oder das Vogelgezwitscher zu hören und nach einem kleinen Nickerchen ein Buch zu lesen. Es würde mir jetzt auch gut tun, mich mit einer Freundin in einem Café zu treffen und ein leckeres Stück Kuchen zu essen. Oder einfach mal eine Sache zu Ende bringen, die ich begonnen habe. Das würde mir jetzt gut tun.

Stattdessen höre ich den ganzen Tag Feuerwehrmann Sam (die alten Folgen, weil „das alte Lied mein Liebstes ist“, wie Turbo immer sagt). Ich lese kein Buch, sondern kommentiere ein Bauernhofbuch nach dem anderen mit „Mäh“ oder „MuuuuUUUUh“. Ich gehe nicht in Café´s, sondern sitze auf Spielplätzen. Kuchen gibt’s da leider auch nicht. Nur Dinkelkekse mit Sand.

Ich kann aber aus Erfahrung auch sagen: Rumnörgeln hilft nicht.
Damit meine ich nicht, dass ich mich nicht mal ausheulen darf und meine Frustration des Alltags rauslassen soll.
Aber den ganzen Tag daran zu denken, dass ich jetzt nichts von dem tun kann, was ich möchte, wird mich nur mehr frustrieren.
Deshalb habe ich angefangen Dinge zu tun, die mir Spaß machen, da wo ich eben bin.
Ich suche die Spielplätze, auf die ich gehe jetzt nicht mehr nur nach Kindertauglichkeit aus, sondern auch danach ob sie mir Spaß machen.
Der große Spielplatz im Fredenbaumpark hat eine schnelle Rutsche. Mit der richtigen Hose macht es sogar noch mehr Spaß.
Ich kenne wenige Schaukeln auf denen man so hoch schaukeln kann, wie auf der Schaukel im Westpark.
Auf einer Wippe macht es noch mehr Spaß sich mit einer Freundin zu unterhalten, als auf der Bank.
Wenn ich Flamingo in 2 Meter Höhe auf die Kletterspinne folgen muss, frage ich meine Freundin ob sie mit hoch kommt, damit wir uns weiter unterhalten können.
Seit ich das mache, komme auch ich dann mit dreckigen Klamotten nach Hause.

Manche Umstände kann ich nicht ändern. Zum Beispiel das ich ein einjähriges Kind habe, das besser klettert als sein großer Bruder… naja, vielleicht nicht besser, aber höher. Oder das ich für mein vierjähriges Kind keinen Kindergartenplatz habe. Und das wir zur Zeit keinen Garten haben.
Aber ich kann das Beste daraus machen.
Nicht das du denkst, das würde mir leicht fallen. Ich meckere fast jeden Abend über die anstrengenden Teile meines Alltags. Frag Martin, er wird es dir bestätigen. Ich habe aber festgestellt, dass das Leben mehr Spaß macht, wenn man Spaß am Leben hat. Und das hier ist jetzt gerade mein Leben, deswegen versuche ich so viel Spaß wie möglich dabei zu haben.
Wir toben, tanzen, erfinden „Pups“-Reime und testen wer lauter schreien kann.
Und spätestens jetzt weiß ich es wieder: Das Leben mit Kleinkindern kann immer auch ein bisschen Spaß machen.

    2 Kommentare

  • Sarah 19. August 2017 Antworten

    <3

  • Lea 19. August 2017 Antworten

    Danke Dir für deine wunderbaren Worte.

    Liebste Grüße

    Lea

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